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Wien in Zahlen
Die Stadt Wien nimmt verfassungs- und verwaltungsrechtlich eine Doppelstellung ein: Sie ist die
Bundeshauptstadt und zugleich ein eigenes Bundesland. Deshalb ist der/die Bürgermeister/in von Wien gleichzeitig
Landeshauptmann/Landeshauptfrau. Das Stadtgebiet von Wien hat eine Fläche von 414 Quadratkilometern, der Umfang beträgt
133 Kilometer. Die Höhenunterschiede innerhalb der Stadt sind beträchtlich. Der tiefste Punkt mit 151 Metern befindet
sich an der Donau in der Lobau, der höchste Punkt mit 543 Metern ist der Hermannskogel im Wienerwald. Wien hat über
1,55 Millionen Einwohner, die sich auf 23 Bezirke verteilen. In Wien arbeiten rund 800.000 Menschen, knapp ein Viertel
der berufstätigen Österreicher. Der Wiener Arbeitsmarkt hat sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als relativ
stabil erwiesen, was sowohl auf die klein- und mittelbetriebliche Struktur als auch auf den hohen Dienstleistungsanteil
zurückzuführen ist.
Streifzug durch die Geschichte der Stadt Wien
Wien blickt auf eine 2000-jährige bewegte Geschichte zurück. Für den Aufstieg Wiens war die Lage an der Donau,
am Schnittpunkt uralter Verbindungswege, wie der Bernsteinstraße, bestimmend. Im ersten Jahrhundert unserer
Zeitrechnung entstand im Kerngebiet des heutigen 1. Bezirkes das römische Militärlager Vindobona mit der angrenzenden
Zivilstadt. Ausgrabungen kann man in den „Römischen Ruinen“ unter dem Hohen Markt besichtigen. Um das Jahr 400 versinkt
Wien für mehr als 700 Jahre nahezu im Dunkel der Geschichte. Unter der Herrschaft der Babenberger wird Wien 1137
erstmals als Stadt erwähnt. Die Stadtrechtsverleihung erfolgt 1221 durch Leopold VI., 1246 stirbt der letzte
Babenberger, Friedrich der Streitbare, im Kampf gegen die Ungarn. Der Böhmenkönig Ottokar II. wird der neue Herr über
Wien. Nach dem Sieg Rudolfs von Habsburg über Przemysl Ottokar II. in der Schlacht auf dem Marchfeld fällt Österreich
an die Habsburger. Sie bleiben die Landesherren Österreichs bis 1918. Weitere Meilensteine der Geschichte Wiens sind
die beiden Türkenbelagerungen von 1529 und 1683.
Die Zeit des Barock brachte Wien einen großen baulichen Aufschwung. Zwar wurden prachtvolle Paläste gebaut,
aber es gab auch viele soziale Missstände, steigende Steuern und Preise und drückende Wohnungsnot. Seuchen (vor allem
die Pest), verursacht durch die unvorstellbaren sanitären Verhältnisse, rafften tausende Wiener hinweg. Das Zeitalter
Maria Theresias (1740 bis 1780) umschließt bedeutende politische, militärische, ökonomische, administrative und
gesellschaftliche Ereignisse, ebenso wenig fehlt es an geistig-künstlerischen Aktivitäten. Im Jahr 1780 tritt ihr Sohn
Joseph II. die Herrschaft an. Er gilt als Hauptvertreter des europäischen aufgeklärten Absolutismus, dessen
österreichische Sonderform als „Josephinismus“ in die Geschichte eingegangen ist. Nach Napoleons Bezwingung 1809 trafen
Staatskanzler Metternich und die führenden Nationen Europas 1814/1815 zum Wiener Kongress zusammen. Im Rahmen
rauschender Festlichkeiten wurde über die Neuordnung Europas beraten. Die rascheste Entwicklung erlebte Wien durch die
Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Zwischen 1770 und 1910 wuchs die Einwohnerzahl von 160.000 auf über 2 Millionen.
Die alten Vorstädte und Vororte waren zu einer Großstadt zusammengewachsen. Ein Großteil der Bevölkerung lebte
allerdings auf engstem Raum in gesundheitsschädigenden und menschenunwürdigen Verhältnissen. In dieser Zeit der
Industrialisierung entstanden nicht nur große Industriebetriebe, es gab auch eine Fülle von Neuentwicklungen im Bereich
der Wissenschaft, und die Kultur erlebte eine neue Blüte. Es wurden beispielsweise Hochschulen gegründet, wie die
Technische, die Tierärztliche und die Hochschule für Bodenkultur. Die Wiener Medizinische Schule mit ihren Vertretern
Semmelweis und Billroth erlangte Weltruf.
Eine Blütezeit erlebte aber auch die Wiener Musik: In der ernsten Musik mit Brahms, Bruckner und Wolf, aber
ebenso in den beschwingten Walzern der goldenen Operettenära mit Johann Strauß, Millöcker und Suppé. Der Erste
Weltkrieg veränderte die Position Wiens entscheidend. Im November 1918 wurde Wien, bis dahin Zentrum eines
55-Millionen-Reiches, Hauptstadt eines Kleinstaates mit knapp 6,5 Millionen Einwohnern. Nach Kaiser
Franz Josephs Ringstraßenzeit, nach Luegers bürgerlich-fortschrittlichem Wien des Jugendstils, begann 1923 mit dem
Amtsantritt des Bürgermeisters Karl Seitz eine neue Phase der Stadtentwicklung. Es galt die Lehre von Julius Tandler,
Universitätsprofessor und Stadtrat. In seinem Sinne entstanden Kindergärten, Kinderfreibäder und
Kinderübernahmestellen. Aber auch das Wiener kommunale Wohnbauprogramm ging vom gesellschaftspolitischen Aspekt der
Architektur aus. Es wurde eine große Zahl von Gemeindebauten errichtet.
Die schwerste Zeit in der Geschichte Wiens begann im Februar 1934 mit dem Bürgerkrieg, der das Verbot der
Sozialdemokratie und die Zerschlagung der demokratischen Institutionen zur Folge hatte. Im März 1938 wurde Österreich
von den deutschen Truppen Hitlers besetzt, was zur Folge hatte, dass sich für die nächsten sieben Jahre das
nationalsozialistische Gewaltregime auch in Wien etablierte. Die erschütternde Opferbilanz der rassistischen und
antisemitischen Gewaltherrschaft: Von den ehemals 180.000 Wiener Juden wurden rund 60.000 Menschen in
Konzentrationslagern ermordet, der Rest musste in Flucht und Exil seine Rettung suchen. Die Opfer unter der Wiener
Bevölkerung durch Kriegsdienst, Luftangriffe und politischer, religiöser und rassistischer Verfolgung sind dabei noch
nicht mitgerechnet. Von 1945 bis 1955 erlebte Österreich eine zehnjährige Besatzung der Alliierten. 1955
wurde vom Balkon des Schlosses Belvedere die Unterzeichnung des Staatsvertrages verkündet. Wien war wieder die
Hauptstadt eines freien Landes. Stand zunächst der Wiederaufbau der zerstörten Wohnungen, Fabriken, Straßen und Brücken
im Vordergrund, so setzte in den 60er Jahren im Süden und im Nordosten der Stadt eine Phase der Stadterweiterung mit
dem Bau großer Wohnhausanlagen und Betriebsansiedlungen ein.
Mit dem wirtschaftlichen Wachstum und der Vergrößerung des Wohlstandes begann auch das Umweltbewusstsein in den
letzten Jahren eine wichtige Rolle zu spielen. Wien besitzt innerhalb seiner Grenzen ausgedehnte Grünflächen, vom
Wienerwald bis zur Lobau. Die neue Donau und die Donauinsel erhöhen den Erholungs- und Freizeitwert noch wesentlich.
Wien zählt heute ohne Zweifel zu den lebens- und liebenswertesten Städten der Welt.
Quelle: Auszug aus dem Leitfaden der Aktion „Österreichs Jugend lernt ihre Bundeshauptstadt
kennen“ ^ top | |